Frauen entschuldigen sich öfter als Männer

Ein wichtiges Meeting läuft, die Vorstände und Projektleitenden sind da. Mein Kollege kommt 20 Minuten nach Beginn in den Raum, nickt in die Runde und setzt sich hin. Die Männer nicken ihm zu, die Frauen werfen sich Blicke zu.

Ihr Blick bedeutet: Also, der hätte sich wenigstens mal entschuldigen können, wenn er schon zu spät kommt.

Doch was hat es mit der stillen und nicht beleidigten Akzeptanz der männlicher Kollegen bei einem solchen Verhalten auf sich? Stört es sie nicht?

Kommt es ihnen nicht so vor, als wäre den Kollegen das Meeting nicht so wichtig gewesen?

„Einer meiner Kollegen kommt auch immer zu spät,“ berichtet mir eine Bekannte, als ich sie danach frage.

„Er hat dann immer dicke Ordner und Fall-Mappen unterm Arm und alle nehmen einfach an, er kommt von einem Meeting, das noch wichtiger ist.“

Jetzt bin ich ja da

Ich hatte keine Ahnung, dass das eventuell so rüber kommen könnte. Dass ein Zu-Spät-Kommen sogar mit einem steigenden Respekt belohnt werden könnte.

Aber ich entschuldige mich auch alle naslang. Ich habe im Vorbeigehen den Kollegen angestupst? Sorry!

Ich spreche den Kollegen an, um ihm eine Frage zu stellen? Tut mir leid.

Es gibt einen Rechtschreibfehler in meinem Text? Ich rufe nicht gleich zurück? Entschuldigung, Entschuldigung!

Wenn man sich das mal so überlegt, ist das echt lächerlich. Aber meine Kollegin ist da ganz ähnlich.

Einstellungssache?

Meine männlichen Kollegen hingegen zucken selbst mit den Achseln, wenn ich sie mit konstruktiver (berechtigter) Kritik beglücke.

Ein „Es tut mir leid“ habe ich fast noch nie von ihnen gehört.

Und eine kanadische Studie bestätigt: Frauen entschuldigen sich häufiger als Männer.

Die Studie ergab, dass Männer einfach weniger Situationen als „eine Entschuldigung benötigend“ beurteilen als Frauen.

Das heißt im Klartext: Frauen denken häufiger, dass sie eine Situation verursacht haben, für die sie sich entschuldigen müssen.

Männer hätten von Natur aus „ein dickeres Fell“ besagt die Studie.

Angriffsfläche

„Meine Chefin entschuldigt sich niemals, wenn sie zu spät kommt – außer es ist unumgänglich“, berichtet eine Lifecoach innerhalb des Gesprächs.

„Eine als Entschuldigung verpackte Rechtfertigung bietet immer Angrifftsfläche“, fährt sie fort. „Da können die anderen dann sagen: Das ist unrelevant, das interessiert mich nicht.“

Insofern sollten wir auch in dieser Angelegenheit unsere neuen Eier konsultieren und aufhören, vor alles ein „Entschuldigung“ zu stellen.

Wir werden es schon mitkriegen, wenn wir was verbockt haben und dann können wir uns immer noch entschuldigen.

Ansonsten schaffen wir somit den ganzen Tag über Anlässe, die uns unterordnen, obwohl Männer die Situation gar nicht als Entschuldigungs-wert wahrnehmen.

Image courtesy of Stuart Miles / FreeDigitalPhotos.net

Wie ist das bei euch – bemerkt ihr auch eine Tendenz zum über-entschuldigen?

2 Kommentare zu “Frauen entschuldigen sich öfter als Männer

  1. thehappywhore sagt:

    Ja, diese Tendenz erkenne ich an mir auch. Und ich denke, dass es gut ist den Mut zu haben sich nicht vorwegnehmend zu entschuldigen. Vieles fällt wohl wirklich nicht auf oder hat zumindest nicht die Relevanz um noch mal explizit angesprochen zu werden. Jedenfalls lebe ich (mittlerweile) lieber damit, etwas handfest zu wirken als meinen Auftritt durch (zu) viele kleine Schuldanerkenntnisse aufzuweichen.

    • Miss Kopf & Eier sagt:

      Hi thehappywhore!
      Danke für deinen Kommentar. Es ist wahrscheinlich wirklich Gewöhnungssache, nicht jeden Satz mit „Entschuldigung“ anzufangen – merke ich jedenfalls bei mir. Aber ich stimme dir vollkommen zu: Es ist besser, als „tough“ zu gelten, als als Mäuschen.

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